2021-07-01

H.M. Drottningens tal vid invigningen av Childhood-Haus Ortenau i Offenburg, Tyskland den 1 juli 2021

(Det talade ordet gäller)

Sehr geehrte Herr Minister Lucha,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Childhood-Familie,

Ein herzliches Willkommen zur heutigen Fachkonferenz und Eröffnung des Childhood-Hauses in Offenburg! Es erfüllt mich mit großer Freude und Genugtuung, dass wir heute mit dem Childhood-Haus Ortenau innerhalb von wenigen Monaten bereits eine weitere Einrichtung dieser Art in Deutschland - nach Berlin und Düsseldorf im vergangenen Jahr - eröffnen können. Insgesamt verfügt Deutschland nun über 5 Childhood-Häuser und weitere Häuser sind für die nächsten Monate geplant.

Ich sehe, in welch großer Runde wir uns heute zusammengefunden haben, um uns damit zu befassen, was sexualisierte Gewalt und Misshandlung für Kinder und Jugendliche bedeutet, vor welchen Herausforderungen sie und auch ihr Umfeld stehen und was wir tun können, um ihre Situation zu verbessern.

Ich beschäftige mich schon so viele Jahre mit diesem Thema und dennoch habe ich das Gefühl, dass die Dringlichkeit nicht abgenommen hat – nein, in Zeiten der Coronapandemie müssen wir aufmerksamer denn je sein. Daher danke ich Ihnen allen, dass Sie heute dabei sind und auch den Vortragenden, die uns sicherlich viele Anstöße zum Nachdenken geben werden.

Seit Gründung von Childhood vor 22 Jahren haben wir verschiedenste Projekte zur Stärkung und zum Schutz von Kindern angestoßen und begleitet. In Baden-Württemberg haben wir nun bereits das zweite Childhood-Haus und Childhood ist mit der Polizeihochschule in konkreten Gesprächen, um Professionalisierungsangebote für Polizisten und Polizistinnen, z.B. bei den Befragungstechniken von Kindern, auszubauen und sie anschließend bundesweit zu verbreiten.

Wir von Childhood würden es natürlich begrüßen, wenn es solche Einrichtungen wie ein Childhood-Haus nicht bräuchte, aber die vor kurzem veröffentlichen Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik sprechen eine andere Sprache, wie auch der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes Wilhelm Rörig, sowie des Präsidenten des Bundeskriminalamtes berichteten.

Die Zahl der gewaltsam zu Tode gekommenen Kinder und der Missbrauchsfälle zeigen einen weiteren deutlichen Anstieg im vergangenen Jahr. Insbesondere die starke Zunahme bei der Verbreitung von Missbrauchsabbildungen durch Minderjährige ist besorgniserregend. Die Abermillionen Bilder und Videos, die systematisch weltweit über Darknet-Plattformen verbreitet werden, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.

Wir dürfen nicht wegschauen, wir müssen uns die Lebenssituation betroffener Kinder und Jugendlicher bewusst machen und diese dringend verbessern. Und dies können wir in einem Childhood-Haus, einem Ort, an dem Kinder sich sicher, geborgen und verstanden fühlen. Angelehnt an das skandinavische Modell „Barnahus“ erfahren sie hier eine professionelle und kindgerechte Betreuung und müssen das Erlebte nicht immer und immer wieder erzählen und durchleiden und dadurch weitere Traumatisierungen erfahren. Es findet eine Zusammenführung von Kompetenzen zum Wohle der Kinder statt, die einen Mehrwert für alle schafft und gleichzeitig zu einem besseren Verständnis aller beteiligten Professionen für diese schwierigen Situationen führt.

Die Anfragen nach weiteren Einrichtungen dieser Art, die Childhood aus vielen Regionen Deutschlands erreichen, zeigen, wie notwendig solche Initiativen sind. Sie zeigen aber auch, dass es viele engagierte Menschen gibt, die sich der Schutzbedürftigkeit betroffener Kindern und Jugendlicher bewusst sind und die das Problem anpacken.

All diesen Menschen möchte ich heute ein herzliches Dankeschön aussprechen. Ganz besonders danke ich den Verantwortlichen im Klinikum und in der Region Ortenau, die sich dafür eingesetzt haben, dass heute ein weiteres Leuchtturm-Projekt in Offenburg an den Start geht. Mein besonderer Dank geht an den Ärztlichen Leiter des Childhood-Hauses, Herrn Dr. Stefan Stuhrmann sowie die Teamleiterin Frau Eveline Viernickel, Herrn Reinhard Renter, dem hiesigen Polizeipräsidenten und dem Leitenden Oberstaatsanwalt Herrn Dr. Schäfer, die sich auch als Vorsitzende des Fördervereines Childhood-Haus Ortenau stark machen. Außerdem möchte ich Herrn Landrat Frank Scherer für sein großartiges Engagement über so viele Jahre danken, das dazu beigetragen hat, dass wir heute diese Einrichtung in Offenburg eröffnen können. Und nicht zuletzt möchte ich dem ganzen großen Team aus Medizin, Psychologie, Jugendhilfe, Polizei und Justiz danken, die jeden Tag hier mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Es ist mir eine Ehre, mit Ihnen nun zusammen virtuell die Räume des neusten Childhood-Hauses zu betreten und einen Einblick in Ihre Arbeit zu bekommen.

Leider kann ich heute nicht persönlich in Offenburg mit Ihnen zusammen sein, was ich sehr bedauere. Es bedeutet mir sehr viel, dass die goldene Regel, die den Grundgedanken der Childhood-Häuser prägt, wenn es um den richtigen Umgang mit Kindern geht, die Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden sind, auch hier im Childhood-Haus Ortenau Einzug hält:

"Unabhängig davon, welchen Ausgang ein Verfahren hat, das Kind muss an dessen Ende in einer besseren, gestärkteren Position sein, als zu Beginn."

Vielen Dank!